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Kohlendioxid (CO2) ist der klassische Leitparameter zur Bestimmung der Luftqualität in Innenräumen. Hierbei ist wie bei anderen Schadstoffen auch der Einfluss der Außenluft, der heutzutage ca. 350 ppm beträgt, auf die Innenraumluft zu betrachten. Eine Reihe von Quellen tragen zur CO2 -Belastung bei. Hierbei ist zwischen biologischen und technischen Quellen zu unterscheiden: Als Produkt der menschlichen Atmung ist der CO2 -Gehalt der Innenraumluft unmittelbar Ausdruck der Intensität der Nutzung eines Raums. Bei unzureichenden Lüftungsverhältnissen oder unter extremen Raumnutzungsbedingungen kann die CO2 -Konzentration in Innenräumen allein durch die von den Nutzern ausgeatmeten Mengen bis zu einer Größenordnung von einigen Volumenprozent – und damit in den Bereich physiologischer Reaktionen auf das erhöhte Konzentrationsniveau – ansteigen. Als Leitparameter für diesen Bereich ist CO2 anzusprechen, weil der Anstieg der CO2 Konzentration in Innenräumen gut mit dem Anstieg der Geruchsintensität der sonstigen menschlichen Ausdünstungen korreliert. So fällt die Geruchsintensität in einem Raum, ab der ein von menschlichen Ausdünstungen (nicht aber durch Rauchen oder durch sonstige Aktivitäten) verursachter Geruch als störend empfunden wird (die Belästigungsschwelle), in etwa mit einer CO2 -Konzentration von 1500 ppm zusammenfällt. Dieser Wert liegt im Bereich der Pettenkofer-Zahl, die für Wohn- und Aufenthaltsräumen mit einem Wert von 1000 ppm CO2 definiert wurde. Als technische CO2 -Quellen spielen alle Verbrennungsprozesse, bei denen die Verbrennungsgase nicht gezielt und praktisch vollständig aus dem Raum abgeführt werden, eine Rolle. Dazu sind grundsätzlich das Rauchen von z.B. Zigaretten, das Abbrennen von Kerzen und der Betrieb von offenen Öl- und Gasleuchten ebenso zu zählen wie der Gasherd und andere Einrichtungen, bei denen auf offener Flamme gekocht wird. Auch nicht richtig gewartete oder schlecht ziehende Heizgeräte mit offener Flamme können die CO2 -Konzentration in Innenräumen erheblich erhöhen. Bei diesen offenen, z. T. unvollständigen Verbrennungsprozessen, spielen unter lufthygienischen Gesichtspunkten eine Reihe anderer Schadstoffe (wie CO, NO, Formaldehyd, PAK) für die Einschätzung der davon ausgehenden Risiken eine bedeutsamere Rolle als CO2 da sie wegen ihrer toxischen Eigenschaften schon bei wesentlich niedrigeren Konzentrationen als CO2 zu Befindlichkeitsstörungen und Vergiftungserscheinungen führen können. CO2 kann in solchen Fällen jedoch als leicht und sicher zu bestimmender Leitparameter eingesetzt werden. In Wohngebäuden sind durchschnittliche CO2 -Konzentrationen in der Größenordnung von ca. 400 – 700 ppm festzustellen, die aber im Lauf des Tages stark variieren können. Je nach der Funktion der einzelnen Räume tragen unterschiedliche Quellen zur CO2-Belastung bei. So können in der Küche während des Kochens kurzzeitig Konzentrationen von mehr als 1500 ppm anzutreffen sein. In Schlafzimmern werden die höchsten Konzentrationen in der Phase des Aufwachens und Aufstehens gemessen. Diese reichen von 1000 ppm bis über 4000 ppm bei geschlossenen Fenstern und Türen. Bei Auftreten überhöhter CO2 -Konzentrationen ist eine Verbesserung der Innenraumluftqualität vorrangig durch die Schaffung angemessener Lüftungsmöglichkeiten zu erreichen. Sind technische Fehler die Ursache, sollten primär diese beseitigt werden, da wie oben beschrieben CO2 nur ein Indikator für andere bei diesen Prozessen auftretende wirksameren Schadstoffen ist. Die besten Effekte zur Verbesserung der Luft in stark belegten Innenräumen lassen sich durch Stoßlüftung (weit geöffnete Fenster, Durchzug) erreichen. Lüftungszeiten von einigen Minuten reichen aus, um die CO2 -Belastung drastisch zu senken, Lüftungszeiten von mehr als 7 min tragen nicht mehr wesentlich zur Verbesserung der Innenraumluft bei, führen zu einem höheren Energieverbrauch durch die stärkere Auskühlung des Baukörpers.
Quelle: www.baubiologie.net

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